Wochenspiritualität

Ein spiritueller Impuls - ein Gedanke zum Weiterdenken von Frank Witzel will in der Woche ein Begleiter sein:

Sonntag - Sabbat

Es könnte sein, dass Sie zu der qualifizierten Minderheit gehören, die am Sonntag in einen Gottesdienst gehen, um – wie es die Bibel nennt – den Feiertag zu heiligen.

Falls Sie nicht in die Kirche gehen, will ich Ihnen ein paar spirituelle und zugleich praktische Impulse zum Feiertag mitgeben:

  1. Im Gottesdienst dienen Menschen nicht Gott. Umgekehrt stimmt es: Gott dient uns. Er sagt uns: Du bist geliebt – voraussetzungslos und bedingungslos. Du musst nichts dafür tun. Du kannst auch gar nichts dafür tun. Denn Gottes Liebe ist ein reines Geschenk. Wer das versteht, schenkt Liebe gern weiter, weil er oder sie es will – nicht weil er oder sie es muss. Das ist die neue Perspektive für alles. Das ist die Seeligkeit, das neue Leben, das Ewige im Hier und Jetzt. Und das macht das Leben schön und spannend, intensiv und sinnvoll.
  2. Für den Gottesdienst braucht man keine Glauben im Sinne von einem Sicher-Sein, was in irgendeiner unsichtbaren Welt gilt. Gottesdienste sind die richtigen Veranstaltungen für Sucher, Zweifler und andere gute Christen. Das Fragen verbindet. Leute, die meinen, sie hätten die Antwort, gibt es schon mehr wie genug. Sie sind es auch meist, die Probleme machen. Gott antwortet auf ehrliche Fragen und führt uns zu Perspektiven, die wir vorher nicht hatten.
  3. Der innere Sinn des Sonntags, des Feiertags, des Sabbats ist, dass wir nichts tun. Nichts! Einfach nur sein. Nichts verdienen, nichts leisten, nichts erkämpfen, nichts sich und anderen beweisen. Einfach nur sein! So entdecken wir, dass unsere Würde und Wert nicht in der Leistung, nicht im Haben, nicht im Kampf liegt. Wir sind wertvoll, weil wird sind. Das genügt für ein sinnvolles Leben in Zeit und Ewigkeit. Das ist eine mystische Erfahrung und zugleich das Fundament des Glücks.

Einen schönen Sonntag!

 

Montag, der erste Tag vom Rest

Der neue Tag beginnt. Er ist richtig wichtig, wertvoll und voller Würde.

Es ist der einzigartige Tag, mit dem Ihr restliches Leben beginnt.

Jetzt!

Alles, was Sie heute tun, wird danach in der Vergangenheit aufbewahrt. Nichts geht verloren.

Alles, was Sie heute nicht tun, wird auch eine Entscheidung sein, die Ihre Biografie prägen wird.

Die Tage, die ab jetzt verbleiben, werden nicht unendlich sein.

Die Ewigkeit findet auf diese Weise jetzt in diesem Augenblick statt.

Und am Anfang dieses ersten Tages vom Rest Ihres Lebens lade ich Sie ein, in Gedanken für einen kurzen Moment in die Zukunft zu gehen – zum letzten Tag Ihres Lebens, dessen Rest jetzt beginnt. Was werden Sie dann denken? Was werden Sie gut finden, was Sie getan und erlebt haben? Was werden Sie bereuen?

Menschen am Ende ihres jeweiligen Lebens erzählen selten davon, dass es das Geld oder der berufliche Erfolg war, der sie im Alter tröstet und der Rückschau Freude, Frieden und Glück vermittelt. Sie erzählen, dass es die Momente der Freundschaft, des Mutes, der Barmherzigkeit, der Erotik und der selbstlosen Liebe waren.

Die reflektierenden Alten weisen uns auf diesem Weg direkt oder indirekt auf die Worte des Apostels Paulus im ersten Brief an die Korinther hin:

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“

Ein sinnvolles Leben im Hier und Jetzt wünsche ich Ihnen und euch an diesem besonderen Tag … und an allen anderen auch!

 

Dienstag

Dienst

Sind Sie schon oder noch im Dienst am Dienstag? Wartet er auf Sie?

Wie fühlen Sie sich dabei?

Auf der einen Seite ist es schon mühsam, immer arbeiten oder lernen oder beides zu müssen.

Auf der anderen Seite fühlen wir uns auch nicht so gut, wenn gar keine Aufgaben auf uns warten. Irgendwie verbindet uns Dienst, Arbeit, Aufgaben, Pflichten und Verantwortlichkeiten mit dem Rest der Welt … und mit anderen Menschen.

Seltsam: Wenn wir uns nicht verbunden fühlen mit dem Rest der Welt … und mit anderen Menschen … spüren wir uns selbst oft nicht. Bindungen, Verbindungen, Vernetzungen sind ein Teil unseres Lebens und unserer Persönlichkeit … und auf diese Weise auch ein Teil unserer Glückserlebnisse und Sinnerfahrungen.

In poetischen und religiösen Sprache: Gott hat es gefallen, dass wir Anstrengung durch den Dienst, das Dienen, das Aufeinander-Bezogen- und Füreinander-Da-Sein zusammen erleben mit Glück und Sinn.

Diese Erfahrung nennt die Bibel „Nachfolge“ und unsere spirituelle Tradition „Berufung“.

Welche Berufung haben Sie, hast du?

Was gibt deinem Leben Sinn und ist ein lebendiger Teil deiner Mühe, deines Dienstes, deiner Anstrengung? Die Anwort auf diese Frage wird deinem Alltag Tiefe, deinem Leben Intensität und deinem Empfinden Glück verleihen.

Ein sinnvolles Leben im Hier und Jetzt wünsche ich Ihnen und euch an diesem besonderen Tag … und an allen anderen auch.

 

Mittwoch

Wahrheit

Mittendrin am Mitwoch?

Das Wochenende liegt weit hinter uns, das nächste Wocehnende ist noch gar nicht richtig im Blick. Richtig schwierig im Leben ist es meistens mittendrin.

An den Rändern ist es immer einfach. Da finden wir Orientierung.

Aber: „In the middle is the riddle.“ – Mittendrin ist das Rätsel des Lebens ohne klare Orientierung.

Wunderbar, wenn die Klarheiten sich auch mal auflösen!

Wir sind ja umgeben von Leuten, die alles so gut wissen und lauter schlaue Sachen sagen, die nicht hinterfragt werden. Wenn Sie doch Recht hätten … dann wäre die Welt klarer, einfacher, besser.

Unklarheiten haben Ihren Charme. Ich finde, sie laden uns ein, noch einmal auf unsere Sprache zu schauen und uns darin zu üben, das zu sagen, was wir wahrnehmen und zugleich das zu benennen, was wir eben nicht wahrnehmen.

Wir sind ja ständig dabei, die Welt uns nach unseren Gedanken zurechtbiegen zu wollen. Und wenn wir das dann in Worte fassen, glauben wir unseren eigenen Zurechtbiegungen der Wirklichkeit auch noch.

Interessanterweise heißt es in der Bibel gerade nicht „du sollst nicht lügen“. Das wäre auch viel zu moralisch ausgedrückt und würde uns so kaum helfen. Die Bibel sagt: „Du sollst kein falsches Zeugnis reden.“

Ich übersetze dieses Gebot so: „Habe den Mut, die Wirklichkeit und dein Leben als ein manchmal rätselhaftes Erleben wahrzunehmen. Habe Mut zum Zweifel und für Fragen! Habe die innere Größe dabei, Abstand zu nehmen von deinen eigenen Anschauungen und Vorurteilen!“

Du wirst merken: So wird das Leben spannend. Wir werden dann immer weniger diese Welt mit unserem Weltbild verwechseln.

So wird die Wahrheit eine Chance bekommen. Und Jesus selbst verheißt im Johannesevangelium: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“

Ein freies Denken und Leben im Hier und Jetzt wünsche ich Ihnen und euch.

 

Donnerstag

Schalom Europa

Es donnerte nicht nur donnerstags.

Die Kanonen donnerten die ganze Woche, alle Monate, viele Jahre – endlos erscheinende Zeiten, in denen Europa und die Welt durch die großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts mit Bomben und Granaten umgepflügt wurden.

Die allermoralischsten, die allerkultiviertesten, die allerchristlichsten Nationen bekriegten sich gegenseitig. Millionen Tote gab es.

Das, was wir zurzeit im Radio, im Fernsehen oder der Presse von Kriegen wahrnehmen müssen, ist gering im Vergleich zu dem, was unsere Väter und Großväter an Gewalt im Herzen unserer Zivilisation entbunden haben.

Ich denke, diese Einsicht fordert zwei Konsequenzen, wenn wir heute im Radio die Nachrichten hören, in den Pausen Zeitung lesen oder heute Abend Nachrichten anschauen.

  1. Wir sind nicht besser als die anderen. Die Weltgemeinschaft ist auch eine Lerngemeinschaft. Wir sind nicht immer auf dem gleichen Stand des Lernens aber alle in der gleichen Situation: Wer Frieden will, muss aus Fehlern lernen.
  2. Das moderne Europa, die europäische Gemeinschaft ist ein Produkt der Friedenssehnsucht und der Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen.

„Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ Sagt Jesus in der Bergpredigt.

-         Selig sind, sage ich, die nicht müde werden im Klein-Klein der Gremien und Verhandlungen, um auf diplomatischen Wegen das auszuloten, was an Frieden möglich ist.

-         Selig sind, die ihre Unterstützung den friedensstiftenden Politikern in demokratischen Prozessen zusichern.

-         Selig sind, die auf profitträchtige Waffenexporte verzichten und wirtschaftliche Nachteile in Kauf nehmen, um die Wahrscheinlichkeit von Gewaltminderung zu erhöhen.

-         Selig sind, die ihr Gehirn und ihre Vernunft aktivieren, um Strukturen der Gewalt zu analysieren. Sie entdecken bessere Wege für die Menschheitsfamilie.

-         Selig sind, die auf die Zusammenhänge von Ungerechtigkeit, Armut und Reichtum hinweisen, um Gewalt austrocknen zu können.

Schalom Europa! Frieden im Kleinen und Großen … und auch Mut, die nötigen Schritte zu tun!

 

Freitag

Frei

Freitag! Das Wochenende taucht am Horizont auf – der Inbegriff von Freiheit durch Freizeit.

Freiheit ist das höchste Gut in unserem Land. Das Grundgesetz und die Bayerische Verfassung, ähnlich auch die Österreichische, sind das Fundament der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“.

Zugleich nehme ich mit Trauer und Ehrfurcht wahr: Viele Menschen setzten und setzen sich mit ihrem Leben für Freiheit ein, indem sie Tyrannen und Tyranneien bekämpfen.

So viel Freiheit! So wichtig!

Auch die biblische Geschichte begann mit einem Akt der Befreiung: Mose führte die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten in die Freiheit, durch die Wüste zum gelobten Land. So politisch ist die Bibel!

Zugleich bin ich oft irritiert: Viele Menschen erzählen mir, dass sie durch Sachzwänge gefangen sind. Sie müssen so oder so handeln … und tun, was sie eigentlich nicht wollen. Zumindest meinen sie, dass sie es tun müssten …

Zum Widerspruch von ersehnter Freiheit und gefühlter Unfreiheit möchte ich Ihnen einen Impuls der Reformation, der evangelischen Sicht auf das Leben, mitgeben:

Die Bibel hält fest, dass wir in den Dingen, die das ewige Leben betreffen, unfrei sind. Das entscheidet allein Gott. Gott sei Dank! Denn er meint es gut mit uns. Er geht mit uns besser um, als wir selbst es tun.

Zugleich setzt die Bibel unsere Freiheit in den alltäglichen Dingen voraus. Wir können wirklich entscheiden. Uns wird eine reife, erwachsene Haltung zugemutet und das, was uns als Zwang erscheint, oft als die eigene Mut- oder Kraftlosigkeit, manchmal auch die bequeme Ausrede, entlarvt. Ja, das ist unbequem!

Habe also Mut, zu den eigenen Entscheidungen zu stehen! Schiebe sie nicht auf andere Menschen oder Umstände. Das entspräche nicht unserer Würde.

Habe auch Demut Gott gegenüber! Er ist für dein ewiges Seelenheil, deinen Wert und Würde zuständig. Der eine hat „Ja“ zu dir gesagt. Sein „Ja“ steht über allen anderen Entscheidungen.

Gott gegenüber sind wir unfrei, der Welt gegenüber aber frei. Wenn wir dies gut sortiert bekommen, werden wir ungezwungen und freimütig leben können … und wollen.

Freiheit ist gut. Mut tut gut. Von Herzen Gottes Segen zu beidem!

 

Samstag

Sams

Wie war das? Wenn am Montag irgendetwas mit Herrn Mon war und am Dienstag Dienst … Mittwoch war sowieso die Mitte der Woche und dann donnerte am Donnerstag ein Gewitter. Der Freitag war frei und am Samstag kommt das Sams.

Meine Kinder sind jetzt 25. Vor zwei Jahrzehnten las ich ihnen die Geschichten vom Sams vor. Sie lachten, ich lachte, wir lachten. Es war großartig.

Das Lachen von Kindern erzählt, dass das Leben gut ist, dass es einem besseren Morgen entgegenfliegt und dass die Liebe und das Leben mit leeren Händen aber mit voller Freude empfangen wird.

Nicht umsonst stellt Jesus selbst Kinder in die Mitte. Sie sind das Beispiel, wie das Reich Gottes, die Liebe und alles, was dazu gehört, zu empfangen ist: arglos, nicht als Deal, nicht als Geschäft, nicht als ehrgeiziger Kampf, sondern als Geschenk.

„Lasst die Kinder zu mir kommen und verwehrt es ihnen nicht, denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes“, spricht Jesus selbst.

Kinder sind heilig. Sie sind ganz nah am Herzen Gottes - nicht nur die eigenen! Die anderen auch! Alle! Ohne Ausnahme!

Und was sehen wir dann, wenn wir alle Kinder wahrnehmen?

Wir sehen materielle Kinderarmut neben Gefühlsverwahrlosung im Reichtum. Wir sehen Kinder, die als kleine Prestigeobjekte überversorgt werden.

Zugleich werden wir traurig bei der Unterversorgung an echtem Interesse, Augenkontakt, Geborgenheit und Wärme.

So geht das nicht! Der sonst so liebe, sanftmütige, barmherzige Jesus von Nazareth zeigt da klar eine Grenze auf und weist zornig darauf hin: Kinder sind heilig, eine höchstpersönliche Angelegenheit Gottes. Wer die Zukunft von Kindern verdunkelt, bekommt es mit ihm zu tun. Das hat persönliche und gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Aspekte.

Die gute Zukunft unserer Kinder ist unteilbar – weltweit. Der Rest erklärt sich von selbst.

So könnten wir in der Tiefe der Seele verstehen: Ich war auch Kind. Ich bleibe ein Kind Gottes.  Darum kann ich meinem inneren Kind und den anderen Kindern dieser Welt Gutes tun … und will das auch … mit einer heiligen Entschlossenheit und Kraft.

 

Liebe Kinder Gottes, alles Gute in und für die Zukunft, Ihr und euer

Frank Witzel