Topaktuell

 Sonntag, 27.1.2019

Epiphanias ist Weihnachten – nicht nur für den orthodoxen Teil der Christenheit. „Die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar“, lautet das innere Motto dieser Zeit.

Die liturgische Farbe dieser Zeit ist weiß. Sie sagt: Es ist an der Zeit, froh, glücklich und lichtvoll zu sein, weil Jesus gekommen ist.

Gut, o.k., da will ich nicht widersprechen. Allerdings sollten wir auch den Kontext dieses Weihnachts- und Epiphaniasjubels mit wahrnehmen: Gott kam in Jesus Christus zur Welt als Kind armer Eltern und war bedroht von Obdachlosigkeit und Gewalt. Maria, Josef und das Jesusbaby wurden erst einmal Asylanten in Ägypten.

Auch der Predigttext am nächsten Sonntag, die „Verklärung Jesu“ als Zeichen seiner sichtbaren Herrlichkeit, wird im Matthäusevangelium umrahmt von Leidensankündigungen. Diesen Zusammenhang habe ich mir schon vor Jahrzehnten gemerkt und fasste ihn in die Worte: „Glotz beim Loben nicht immer nach oben, schau mal zur Seite, dann siehst du die Pleite!“

Auch unsere Gesamtkirche hat dies beherzigt: Sie kombiniert diesen Jubelsonntag mit dem schrecklichsten Tiefpunkt der Geschichte des sogenannten christlichen Abendlandes. Der letzte Sonntag nach Epiphanias (27.1.) kann nämlich auch als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen werden.

Wie halten wir diese Spannung aus? Indem wir den Zweifel heilig sprechen! Das wird sehr praktische, persönliche und soziale, politische Konsequenzen haben. Sie werden uns alle betreffen. Die Lösung des Problems wird sehr tröstend sein.

Neugierig? Gut!

Wie das alles zusammen passen könnte, wird uns im Gottesdienst am Sonntag um 10 Uhr in der Kreuzkirche beschäftigen. Wir bitten Gott um seinen Segen dazu.

Herzliche Einladung!

Ihr und euer Pfarrer Frank Witzel

Übrigens: Wer wissen will, wie die Evangelische Gemeinde den Nationalsozialismus im Kleinwalsertal und im Oberallgäu erlebt und überlebt hat, findet ganz interessante Hinweise in der Chronik von Dr. Otto Nübel aus Oberstdorf mit dem Titel „Die Oberstdorfer Christuskirche im Dritten Reich. Ein Beitrag zur Geschichte der Bekennenden Kirche im Allgäu.“ Sie liegt am Schriftentisch in der Kreuzkirche für 25,- € per Vertrauensautomat aus.

 

"Bittere Orangen" und süße Plätzchen

In den vergangenen Jahren haben wir uns sehr um unsere eigenen Gefühle im Advent und an Weihnachten gekümmert. "Sehnsucht", "Weihnachtsfreude", "Menschsein" waren u.a. die Stichworte dazu, die uns als "roter Faden" durch die jeweilige Festzeit geführt haben.

Auf der einen Seite wird es heuer wieder so sein. "Kinder" stehen im Mittelpunkt, angeregt durch den ersten "Walser Kindertag", den wir hier im November gefeiert haben.

Zugleich nehmen wir die widerständige, ethische Herausforderung von Advent und Weihnachten in diesem Jahr besonders an. Nach oder neben dem Blick auf uns selbst, weist und die Bibel auch sehr direkt an, auf die Welt zu schauen, wie sie ist - unsentimental, unromantisch, ideologiefrei. Sie fordert uns heraus, sich im eigenen Leben "in Gottes Namen" davon berühren zu lassen.

Vielleicht beginnen Sie damit, dass Sie in der Kreuzkirche erst einmal die Ausstellung des Kulturanthropologen Prof. Gilles Reckinger "Bittere Orangen" anschauen und den Impuls an sich heranlassen: In Süditalien bei den in Sklavenarbeit lebenden Orangenpflücker wird in Europa Jesus Christus geboren.

Eine Gesegnete Advents-, Weihnachts- und Epiphaniaszeit!

Der Eintritt ist frei. Über Spenden freuen wir uns.